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bis 15.11.2018

 

 

 

 

bis 31.10.2018

 

 

 

 

bis 16.10.2018

 

 

 

 

bis 30.9.2018

 

 

 

 

bis 15.9.2018

 

 

 

 

bis 6.9.2018

 

 

 

 

 

bis 19.5.2018

 

 

 

 

 

bis 12.4.2018

 

 

 

 

 

bis 9.3.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Friedhof von Torbole

am Gardasee, Trentino.

Photochromdruck 9 x 14 cm;

Impressum: Paul Bender,

Zürich um 1910.

Inv.-Nr. vu914pcd00074

 

bis 6.7.2018

 

 

 

 

bis 14.8.2018

 

 

 

 

bis 19.11.2017

 

 

 

Firstfeier beim Rohbau des Krankenhauses in Brixen am Eisack im Jahr 1912.

 

Gelatinesilberabzug 9 x 14 cm; Rudolf Largajolli, Kammerphotograph, Brixen. Inv-Nr. vu914gs00206

 

 

 

Mit der Firstfeier begehen die am Bau eines Gebäudes beteiligten Architekten, Baumeister und Handwerker zusammen mit dem Bauherrn ein Fest aus Anlass des vorläufigen Abschlusses der Bautätigkeit durch die Dachstuhlsetzung. Nach zünftigem Recht bringen die Zimmerleute an der Firstpfette je nach Verfügbarkeit eine junge Tanne, Fichte od.dgl. an. Während frühere Deutungen der "alten Volkskunde" im Firstbaum ein Glückssymbol sahen, haben Hans Moser und Karl-Sigismund Kramer mittels der von ihnen begründeten historisch-archivalischen Quellenmethode den „Richtmaien“ als Rechtszeichen nachgewiesen. Mit der Setzung eines Richtfestzeichens wurde somit der mit dem Richtfest einsetzende Hausfrieden angezeigt (1). Nicht erst mit der Fertigstellung des Hauses, sondern bereits vom Anbringen des Richtmaiens an galt das Rechtsinstitut des Hausfriedens. Somit konnten sich die Hausbewohner straflos ungebetener Eindringlinge - notfalls auch gewaltsam - erwehren. Der Brauch des Richtfestes bzw. der Gleichenfeier selbst  entstammt der Vorstellung von der „Abschlussverehrung“ benannt nach dem Essen und Trinken, das ursprünglich bei Arbeitsabschlüssen gegeben, später aber auch in Geld abgelöst wurde (2).

 Die Bildwürdigkeit von erst- und letztmaligen lebensgeschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignissen und die dabei vollzogenen rituellen Handlungen hängt unmittelbar mit den Grundelementen des Brauches vom „Ersten und Letzten“ zusammen. Der Anfang und das Ende eines Handelns insbesondere im Bereich der Arbeit kommt große Bedeutung zu, sodass solche Anlässe brauchmäßig erhöht werden. Josef Dünninger sieht den Sinn dieser Ersten- und Letztenbräuche sehr weitreichend vom Kultischen bis zum rein Festlichen (2). In der Form von Arbeitsanfang und -abschluß erkennt Karl-Sigismund Kramer die Brauchelemente des Ersten und Letzten als Kernelement des Brauchtums (3).

 

Johann G. Mairhofer

 

 

Anmerkungen:

1) Vgl. Werner KREBS, Alte Handwerksbräuche, Basel 1933, 150-152; hier: 151; Paul ROWALD, Brauch, Spruch und Lied der Bauleute, Hannover 1903, 75-114; Richard und Klaus BEITL, Wörterbuch der deutschen Volkskunde, Stw. “Richtfest”, Stuttgart 1974; Karl-Sigismund KRAMER, ‘Maibaum, Maien’, in: HRG (Handwörterbuch der Rechtsgeschichte), Band 3, Sp. 170-172; hier: 172.

2) Vgl. Josef DÜNNINGER, Brauchtum, in: Wolfgang STAMMLER (Hrsg.), Deutsche Philologie im Aufriss (3 Bände), Band III, Berlin 1962, 2571-2640; hier: 2591.

3) Vgl. Karl-Sigismund KRAMER, Arbeitsanfang und -abschluß als Kernelement des Brauchtums, in: Arbeit und Volksleben. Deutscher Volkskundekongress 1965 in Marburg/Lahn. (= Reihe: Veröffentlichungen des Instituts für mitteleuropäische Volksforschung an der Philipps-Universität Marburg/Lahn, Band 4). Schwartz, Göttingen 1967, 354-361.

 

 

Seb(astian). Herold, Kitzbühel:

Junge Männer mit Hutschmuck nach der Musterung, um 1895.

Albuminpapier 13,8 x 10,5 cm auf Untersatzkarton 17,0 x 10,4 cm, bildseitiges Firmensignet in Goldprägung, Rückseitengestaltung Schwarzdruck, abgeschrägte Kanten mit Goldschnitt, Rundecken, beidseitig starke Verschmutzungen, wegen nicht fixierter Lagerung starke Wölbung des Untersatzkartons.

 

Die hier mit Stolz geschwellter Brust posierenden Jungmänner dürften besser gestellte Bauern- oder Handwerkersöhne gewesen sein, die sich den Luxus eines Kleingruppenportraits leisten wollten und konnten. Eine sichere soziale Zuordnung ist deshalb schwierig, weil sich die Männer aus bäuerlichen Kreisen schon ab etwa der Mitte des 19. Jh. von Ausnahmeregionen abgesehen nicht mehr in einer wie immer gearteten bäuerlichen „Talschaftstracht“ kleideten, sondern sich sukzessive z.B. mit dem dreiteiligen Anzug od. dgl. der städtisch-bürgerlichen Kleidungsweise anglichen. Im Gegensatz dazu hielten die bäuerlichen Frauen bis in die 60er Jahre des 20. Jh. in so genannten Trachtenlandschaften an einen mitunter bis in das Spätbarock zurück reichenden Kleidungsstil fest (z.B. Defregger Frauerntracht).

Bemerkenswert ist, wie sich die Burschen den zum Zeichen der „erfolgreichen“ Musterung aus Hühnerfedern ausgestatteten Hutschmuck improvisierten. Vergleichbare Aufnahmen aus jener Zeit zeigen jedoch die Tauglichen schon mit kunstvoll aufputztem Hutschmuck, der von Händlern mit einschlägigem Sortiment vor den Kasernentoren zum Kauf angeboten wurde.

Wenn sich die heutige Generation über den damals herrschenden Freudentaumel über das zukünftige Einrücken zum Militär wundern sollten: Man muss bedenken, dass gerade die Bauern- und Handwerkersöhne und besonders die jungen Knechte und Tagelöhner selten über den Heimathof und die Gemeindegrenzen hinaus kamen. Einerseits sah man beim Militär je nach Stationierungsort doch etwas von der Welt und andererseits war man endlich weit weg von Isolierung, Drangsalierung seitens der Dienstherren und Ausbeutung der Arbeitsleistung. Daneben aber fürchteten sich etliche Jungmänner vor eben dieser Welt voll militärischem Drill, Demütungen und Lebensgefahr, dass gar nicht so wenige sich durch Selbstverstümmelungen und sogar "Selbstentleibungen" (zeitgenössischer Ausdruck für Selbstmord) dem Einrückungsbefehl zu entzogen, wie eine Sichtung von Tiroler Regionalzeitungen um 1900 ergab.

Weil die Militärbehörde jedoch nur einen Bruchteil der in Österreich-Ungarn tauglichen Jungmänner zur Erhaltung der Truppenstärke benötigte, befahl man zu festgesetzten Terminen zur Losung. Wer dabei das Los zog, musste dann tatsächlich einrücken. Wer den Dienst nicht ableisten konnte oder wollte, der konnte einen Ersatzmann stellen, den er dann allerdings für dessen Verdienstausfall während der Militärzeit selbst zu entschädigen hatte. Die Tauglichen wurden daher im Volksmund "Leaslbuam" genannt, weil sie zur Auslosung für den Militärdienst vorgesehen waren. Die bestandene Musterung als Mannbarkeitsritus im Rahmen der Übergangsriten wurde und wird besonders bei jungen Männern aus dem ländlichen Raum noch heute mit entsprechendem Hutschmuck lautstark in Gruppen und in Verbindung mit häufig übermäßigem Alkoholgenuss gefeiert.

Die demonstrativ für die Aufnahme präsentierten Rauchwaren sollen zudem die nunmehr die quasi „staatlich beglaubigte“ Männlichkeit unterstreichen. Denn: vom Militär abgelehnt zu werden, galt geradezu als Schande, zumal die Loyalität zur Monarchie gerade im Adel, Beamtenstand und ländlichen Raum forderte, „Gott, Kaiser und Vaterland“ zu dienen und – vielfach als höchste Ehre für die Hinterbliebenen angesehen – auch zu sterben! Wer später zu den Kaiserjägern einrückte, konnte sich über ein besonderes Privileg freuen: jeder dienende Kaiserjäger erhielt die drei Dienstjahre hindurch täglich zwei Virginiazigarren genannt "die Kaiserliche", einer vom Monarchen "höchstselbst" bevorzugte Zigarrensorte und dazu ein Viertel Rotwein, für deren Kostenbestreitung der Kaiser aus seiner Privatschatulle aufkam.

 

 

Math(ias). Zipperle, Rattenberg.

Aufbahrungsbildnis eines Kindes, um 1875.

 

Albuminabzug auf Untersatzkarton 8 x 11 cm (Carte de Visite od. Visitformat), mit rückwärts aufgedrucktem „Preiskurrant“

 

 

Der Umgang mit Todesfällen bei Kindern war im Vergleich mit anderen Trauersitten in Tirol eine Besonderheit, denn der Tod von „unschuldigen Kindern“ - damit waren nur getaufte und noch im Kleinkindalter Verstorbene gemeint - galt mit gewissen Einschränkungen nicht in der Weise als trauriges Ereignis wie es seit der Nachkriegszeit empfunden wird. Gerade wegen der Häufigkeit von Todesfällen bei Kleinkindern wurde ein spezifisches Denk- und Verhaltensmuster gefördert, welches den Umgang mit dem Todesfall erleichtern helfen und Trost spenden sollte. Demnach würden sich der Volksglaubensvorstellung nach „unschuldige Kinder“ in Engel verwandeln. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jh. starb jedes fünfte Kind vor dem Erreichen des vierten Lebensjahres. Statistisch gesehen erlitt somit nahezu jede Familie den Todesfall eines Kleinkindes. 1)

 

 

Im Totenritual äußerte sich diese Besonderheit darin, dass die toten Kinder mit roten Blumen und weißen Tüchern geschmückt offen aufgebahrt - nach Ludwig von Hörmann „(...) im allgemeinen freundlich aufgeputzt“ wurden und dass man „(...) ausnehmend bunte Schale (trug), die sonst längst ausser Mode gekommen (war und)nur mehr zu diesem Zweck getragen wurde!“ 2) Die in diesem Zusammenhang von der älteren, ausschließlich von Männern repräsentierten Volkskulturforschung vertretene Interpretation der sonderbaren Trauerhaltung beim Kindestot, die nur das Glück der Kinder erwähnt, wird von Susanne Rieser durchaus zurecht relativiert. Die vermeintliche Fröhlichkeit, das Tragen bunter Kleider und das Singen lustiger Lieder beim „Engelsbegräbnis“ sei zwar durch das Brauchtum gefordert worden, jedoch würde dieses Verhaltensmuster in keiner Weise der wahren psychischen und physischen Situation der betroffenen Frauen entsprochen haben. Da betroffene Frauen neben harter Feld- und Hofarbeit riskante Schwangerschaften zu durchleben hatten, mussten diese eine erfolglos ausgetragene und oftmals erneute Schwangerschaft besonders treffen. 3)

 

 

 

1) HÖRMANN, Ludwig von: Tiroler Volksleben. Ein Beitrag zur deutschen Volks- und Sittenkunde, Stuttgart o.J., 425f.; zit.n. Susanne RIESER: Sterben, Tod und Trauer. Mythen, Riten und Symbole im Tirol des 19. Jahrhunderts, Innsbruck 1991, 126.

 

2) AUCKENTHALER, E.: Zu „Leben und Tod“. In: Der Schlern 21/1, 1947, 24.

 

3)RIESER, Susanne: Sterben, Tod und Trauer. Mythen, Riten und Symbole im Tirol des 19. Jahr

hunderts, Innsbruck 1991, 126.